Mit Abschluss der Renovierung des EGF wurde der Schulgemeinschaft eine Rasenfläche südlich des Hauptgebäudes mit dem Titel „Schulgarten“ zurückgegeben. Neben wenigen Büschen und drei Bäumen gab es keinerlei Struktur. Eine grüne Wüste. Diese soll in den nächsten Jahren Stück für Stück belebt und strukturiert werden.
In dieser Rubrik soll dieser Vorgang, der mittlerweile ein gutes Stück vorangegangen ist, dokumentiert und über Neues informiert werden. Hier sind die aktuellsten Veränderungen zu finden.
Was unser Schulgarten in den letzten Jahren erlebt und wie er seit 2022 "beackert" worden ist, kann man im Schulgarten-Archiv nachlesen.
Viel Spaß beim Schmökern wünscht euch die Biologiefachschaft des EGF!
Frühjahr 2026 – edle Gehölze fallen nicht vom Himmel!
Eines der größeren Projekte des Jahres 2026 war schon ein Jahr vorher geplant worden: im späten Winter 2025 kam Hans Schilling, Spezialist für Obstbau beim Landratsamt, zu Besuch in den Schulgarten und zeigte der interessierten Truppe, wie man den Erziehungsschnitt an jungen Obstbäume durchführt, damit sie zu gesunden und gut tragenden Apfel- und Kirschbäumen heranwachsen. Dabei kam die Idee auf, mit der Schulgartengruppe einmal Obstbäume selbst zu veredeln. Denn dass ein Obstbaum eine aus zwei Einzelwesen zusammengesetzte Pflanze darstellt, ist auch bei Schülern der Obstanbauregion Oberfranken kein voraussetzbares Allgemeinwissen. Diese Idee wurde nun, in der Gartensaison 2026, umgesetzt.
Am 21. 4. 2026 brachte Hans Schilling alles, was es braucht, ans EGF: mit den verschiedenen Teilen der Pflanze, über die nötigen Werkzeuge bis zur Pflanzerde wurde der Bio-Übungsraum für eine Doppelstunde zur Baumschule. Die SchulgärtnerInnen staunten nicht schlecht, als ihnen gezeigt wurde, dass die kleinen Bäumchen, die später die Unterlage, also die Wurzel des Obstbaumes bilden, zunächst einige Zentimeter über der Wurzel schräg durchgeschnitten werden müssen. Die Kronen, also dass, was man meist als Baum wahrnimmt, wurden nicht benötig und wanderten auf den Asthaufen im Schulgarten. Diesen Schnitt und den zweiten, ebenso schrägen am Edelreis, also dem jungen Ast einer Edelsorte (z.B. Apfel Boskop oder Süßkirsche Stephany), führte Herr Schilling auf Grund der nötigen Kraft, Erfahrung und Verletzungsgefahr selbst durch.
Dann waren die SchülerInnen an der Reihe: die Schnittstellen mussten passend aufeinandergedrückt werden, so dass die Wachstumsschichten (das Kambium zwischen Rinde und Holz der beiden Pflanzen) aneinander liegen und später verwachsen können. Nun mussten die beiden Pflanzenteile in dieser Position mit Hilfe eines dehnbaren Bandes aus Wachs umwickelt werden, so dass sie unverrückbar miteinander verbunden waren. Fast fertig wurde nun der Edelreis noch über der dritten Knospe (Fachfrau und -mann sprechen von „Augen“) gekappt und die Schnittstelle mit einem Wundverschlussmittel bestrichen, welches später aushärten würde und so die Pflanze während des Zusammenwachsens vor dem Austrocknen bewahrt. Nun noch die Wurzel etwas kappen und fertig war der veredelte Jungbaum, nur 30 - 40 cm groß.
Dieser wurde nun von den SchülerInnen sorgfältig in einen großen Pflanztopf gepflanzt, so dass die Veredelungsstelle deutlich über der zukünftigen Bodenhöhe lag. Nach zwei Schulstunden war jeder der jungen SchulgärtnerInnen und der Kursleiter stolzer Besitzer eines Jungbaumes, den es nun zu pflegen gilt, auf dass er in den nächsten Jahren in einem Garten in oder um Forchheim zu einem gesunden, tragenden Obstbaum heranwächst. Auch für den Streuobstbereich des Schulgartens entstanden einige Apfel-Halbstämme verschiedener Edelsorten.
Für die gelungene Aktion wurde Herr Schilling mit einem Applaus verabschiedet. Gerne wird dieser Dank hier erneut ausgesprochen für diese tolle, lehrreiche Veranstaltung mit großer regionaler Relevanz in unserer Obstbauregion.
Veredeln - wie geht das jetzt - vielleicht so? Erstmal schneiden, Sorte nicht vergessen, Wurzeln kürzen, Einpflanzen des veredelten Baumes - Zukunft in mehrfacher Hinsicht!
Frühsommer 2026 - Alte Schulgartenweisheit: ohne Blühen kein Summen!
Insektenhotels sind heutzutage der Renner in Bau- und Supermärkten. In jedem noch so kleinen Garten erfreuen sie sich ihres sperrholzigen Daseins und laden Wildbienen zum Nisten ein. Betrachtet man diesen Gartentrend der letzten Jahre etwas kritisch unter Berücksichtigung von Fachliteratur fallen zwei Aspekte sofort ins Auge: Die meisten Insektenhotels, die ja als „Nisthilfen“ für Nutzinsekten gedacht sind, zeichnen sich durch dysfunktionale Füllungen aus. Weder Holzwolle, noch Kiefernzapfen oder gar herkömmliche Lochziegel sind als Nistmaterial geeignet. Der zweite, grundsätzliche Fehler besteht darin, zwar durch ein Bereitstellen von Nisthilfen einfache und schnelle Hilfe für Nutzinsekten leisten zu wollen, aber einen weiteren, bei weitem umfassenderen Mangel zu übersehen: den des fehlenden Nahrungsangebotes in Form von Blühpflanzen! Zugegebenermaßen ist zweiteres auch nicht so leicht zu beheben. Wer hat schon größere ungenutzte Flächen zur Verfügung, die in eine Bienenweide umgewandelt werden können. An dieser Stelle können wir zum Glück nicht nur in diesem Text, sondern auch im Schulgarten konkret werden. Der Großteil der Schulgartenfläche ist sowieso Grünland, also eine Form der Wiese. Anders als eine natürliche Wiese jedoch wurde die Fläche vor 7 Jahren nach dem Umbau der Schule als reine Grasfläche angelegt, so dass sie zunächst eher einem etwas borstigen Rasen ähnelte als einer echten Wiese.
Einige Jahre sind vergangen und seitdem die Fläche nicht mehr einem Rasen gleich alle paar Wochen abgemäht wird, sind ganz natürlich einige Wiesenarten in die Fläche eingewandert. Da dieser Prozess sehr lange dauert und viele, v.a. seltenere oder anspruchsvollere Arten in der Nähe gar nicht mehr vorkommen, unterstützen wir diesen Vorgang nach Kräften. So lag einer der Schwerpunkte im Frühjahr 2026 im Anlegen verschiedener kleiner Blühinseln in der Fläche. Hierzu wurde regionales Saatgut wilder Stauden auf verschiedene Weise versucht auf der Fläche zum Keimen und zum Wachsen zu bringen. Zwei größere, mehrere Quadratmeter zählende Flächen wurden testhalber unterschiedlich angelegt: eine aufwendig durch komplette Entfernung der Grasnarbe, eine weitere durch Mulchen der Grasfläche mit Pappe und aufschütten einer dünnen Erdschicht, auf die gesät worden ist. Daneben wurden in der Fläche verteilt vier kleinere Blühspots angesät. Eine letzte Variante bestand darin, die Pflanzen in Töpfen vorzuziehen und danach in die Fläche zu pflanzen. Wir werden im nächsten Jahr berichten, welche Variante besser funktioniert hat.
Neben dem verbesserten Nahrungsangebot widmete sich die Schulgartengruppe der Anlage verschiedener, qualitativ hochwertigen Nisthilfen. Hierfür wurden unsere Nisthilfen durch selbst gebohrte Eschenholzblöcke ergänzt. Daneben wurden Mörtelwannen mit lehmigem Sand in den Boden eingelassen, um im Boden nistenden Wildbienen zu fördern. Ein Experiment war das Erstellen von Schwebfliegenlagunen. Ein sehr schönes Wort für eine etwas „intensive“ Angelegenheit: in den Boden eingelassene Eimer werden zur Hälfte mit Grasschnitt, Laub oder Holzhäcksel beschickt und anschließend mit Wasser gefüllt. Dieses Arrangement überlässt man nun sich selbst. In kürzester Zeit vermehren sich in dem warmen, nährstoffreichen Sumpf Bakterien und Mikroorganismen, deren Stoffwechselaktivität alsbald an einem fauligen Geruch zu erkennen ist. Doch nicht nur Menschen, sondern auch Schwebfliegen werden durch den Geruch auf diese für sie hochattraktiven Lebensräume aufmerksam. Sie legen ihre Eier an der Oberfläche der Lagunen ab und bald tummeln sich Schwebfliegenlarven in dem Sumpf, der für sie ein Schlaraffenland darstellt. Wenn die Larven groß genug sind, verlassen sie die Lagunen über dafür hineingestellte Äste und verpuppen sich in der Bodenstreu. Wir sind gespannt, ob wir in den nächsten Monaten mehr von den Bienen, Wespen oder Hornissen nachahmenden, aber selbst völlig harmlosen Blütenbesuchern beobachten können.
Die Lebensraumdiversifizierung dieser Saison schlossen wir damit ab, zwei Mörtelwannen in den Boden einzulassen und als naturnahe Kleinteiche zu gestalten. In der kommenden Saison ist das Fell unseres eingangs beschrieben Murmeltiers also wieder ein wenig bunter - ebenso wie die wiederkehrenden Arbeiten!
Blüh- und Lebensraumangebot: frisch angelegter Blühspot, erste Schwebfliegenlagune, neuer Nistblock in der Entstehung; vordergründig schön (Tulpen), hintergründig nützlich (Löwenzahn)
Aktivitäten im Kalenderjahr 2025
Und täglich grüßt das Murmeltier – zwar nicht im wortwörtlichen Sinne, im übertragenen ist das Bonmot aber für die Arbeit am Schulgarten sehr zutreffend. Unser „grünes Murmeltier“ hat sich mittlerweile, nach einem halben Jahrzehnt des Aufbaus und der Gestaltung zu einem vielseitigen, an einer abwechslungsreichen Kulturlandschaft orientierten Garten mit diversen Biotopelementen gemausert: Hochbeete, Komposthaufen, Blühstaudenbeete, Kräuterschnecke, Totholzhaufen, Steinhaufen, Sandarium, Vogelfütterung, Nistgelegenheiten für Insekten und Vögel, Igelhaus, Benjeshecke, Streuobstwiese und Beerensträucher stehen zur Verfügung und wurden periodisch oder dauerhaft besiedelt und genutzt. Verschiedene Wildbienenarten, Igel, Feldhase, Maulwurf, Steinmarder und verschiedene Singvögel wurden schon häufig beobachtet, selbst der Weißstorch schreitet manchmal durchs Gelände.
Diese Vielfalt erfreut uns als Schulgärtner immer wieder und basiert auf den vielfältigen Lebensraumangeboten. Jene wiederum wollen aber im Gleichgewicht gehalten werden, denn der Schulgarten ist eine Kulturlandschaft und keine sich selbstregulierende Wildnis. Würde beispielsweise das Kriechende Fingerkraut, welches auf der gesamten Fläche in großer Dichte verbreitet ist, nicht aus jungen Beerensträuchern, Baumscheiben von Jungbäumen und Staudenbeeten regelmäßig herausgejätet werden, verkümmerten diese Biotopelemente in kürzester Zeit oder würden überwuchert. Wildblumen, also heimische Blühstauden, siedeln sich auf einer geschlossenen Pflanzendecke nicht einfach an. In aufwendiger Arbeit muss die Pflanzendecke abgetragen und samt der Wurzeln entfernt werden. Auf einem solchen Saatbeet können dann regionale Wildblumen angesät werden. Die Wasserversorgung gerader solcher Neupflanzungen ist in Zeiten trockener Frühjahre eine weitere wichtige Aufgabe, ohne die keine Pflanzenvielfalt erreichbar wäre. Es sind also nicht immer hochtrabende Aufgaben, die unsere Aufmerksamkeit und Zeit fordern, sondern vielmehr immer wiederkehrende Pflegemaßnahmen.
Daneben bearbeitet die Schulgartengruppe jedes Jahr ein Schwerpunktprojekt. 2025 war dies das Anlegen einer Nasch- und Blühhecke, die in Zukunft sowohl für die Vielfalt von Blütenbesuchern und Vögeln, aber auch menschlichen Naschkatzen etwas bieten soll. Die Arbeitsstunden für das Anlegen und Pflegen v.a. im ersten Jahr gingen in die Dutzende, und auch der finanzielle Aufwand für die Pflanzung war kein geringer. Das Ergebnis kann sich aber schon jetzt sehen lassen, obwohl die Pflanzen noch recht jung und klein sind. Die ersten Him-, Blau- und Heidelbeeren konnten schon im ersten Jahr genascht werden. Dieses Jahr werden verbliebene Lücken identifiziert und es wird nachgepflanzt.
Die Klasse 8c packt an: Gemeinsames Ackern schafft Gemeinschaft!
Herbst 2024 - Die Schulfamilie gärtnert gemeinsam!
Unser Schulgarten war während der Sommerferien sich selbst überlassen. Jetzt, im Spätherbst, standen daher einige Pflegearbeiten an, damit der Schulgarten gut durch den Winter kommt und in der nächsten Saison wieder aufblühen kann. Da diese Arbeiten nicht von einer Hand voll Unterstufenschüler*innen in der wöchentlichen Stunde des Wahlunterrichts erledigt werden können, gab es in diesem Herbst das erste Mal einen Arbeitsnachmittag im Schulgarten: Am Freitagnachmittag nach den Herbstferien trafen sich die Schulgärtner*innen mit interessierten Eltern, Geschwistern und Lehrkräften, um eine herbstliche Aufgabenliste abzuarbeiten.
Von Mähen und Abrechen der Grünflächen, Aufrechen von Laub, über Stecken von Frühblüher – Zwiebeln und Pflanzen von neuen Beerensträuchern, bis zum Erneuern der Benjeshecke - es gab wahrhaft viel zu tun. Neben harter Arbeit war aber auch genug Gelegenheit für Schabernack, denn das Gärtnern soll natürlich auch Spaß machen! Ein Foto dokumentiert, wie in dem mit Laub aufgefüllten Hochbeet nachgestellt wurde, wie Naturwissenschaftler am EGF entstehen – sie schlüpfen tatsächlich im Schulgarten!
Bis zum Einbruch der Dunkelheit werkelten ca. 25 Mitglieder der Schulfamilie in der gemeinsamen Hau-Ruck-Aktion und arbeiteten die vorbereitete Liste ab. Zur Belohnung und gemeinsamen Abrundung des Nachmittags wurden ab fünf Uhr Grill und Feuerschale geschürt. Bei Kinderpunsch, Grillgut, Stockbrot und Marshmallows ließen wir bis 19.00 Uhr der Abend ausklingen.
Vielen Dank ergeht an dieser Stelle an alle Beteiligten für die geleistete Arbeit in ungezwungener, freundschaftlicher Atmosphäre. Die gute Stimmung und durchweg positive Resonanz aller Beteiligten regt sehr zur Wiederholung der Aktion im nächsten Jahr an!
Fleißig wuselt es überall - und dann nach der Arbeit das Vergnügen: Stockbrot als Belohnung!
